In diesem Jahr konnten wir die initial für 2020 geplanten drei Stabsübungen durchführen, welche durch die COVID-19-Pandemie verschoben werden mussten.

Durch eine digitale Übungsplattform, entwickelt von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) – Fakultät Life Sciences in Hamburg Bergedorf, konnten die Teilnehmenden der Stabsübungen Informationen (Dokumente, Bilder etc.) austauschen sowie virtuelle Besprechungsräume nutzen. Dadurch konnte eine Zusammenkunft ohne physischen Kontakt möglich gemacht werden. Mithilfe dieser digitalen Online-Lösung wurden alle Stabsübungen erfolgreich umgesetzt und gleichzeitig konnten die Infektionsschutz-Maßnahmen während des fortwährenden COVID-19-Pandemiegeschehens berücksichtigt werden. Während der Übungen haben viele Akteure, die bei einem Massenanfall von Erkrankten (MANE) im Hamburger Hafen alarmiert und involviert wären, mit großer Motivation teilgenommen und gemeinsam die Übungen bewältigt.

Eine weitere (Hybrid-)Übung mit Vollübungsanteilen wird am 14. und 15. Oktober 2021 stattfinden.

Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung der bereits durchgeführten Stabsübungen:

Stabsübung I

Die erste Stabsübung des Projektes ARMIHN fand am 18.06.2021 statt. Das entwickelte Szenario handelte von einem Salmonellen-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff mit 140 Erkrankten bei insgesamt 3300 Passagieren an Bord. Das Ziel der ersten Stabsübung war es, die inter- und intraorganisationale Kommunikation zwischen den verschiedenen beteiligten Akteuren zu erfassen und zu analysieren. So wurde der Weg des Schiffes, welches fiktiv als letzten Hafen den von Le Havre angelaufen hatte, von der Nordsee bis zum Einlaufen im Hamburger Hafen am Terminal Steinwerder simuliert.

Das Hauptaugenmerk lag bei der Alarmierungskaskade der Teilnehmenden und den Vorbereitungsmaßnahmen für das Einlaufen des Schiffes in Hamburg. Um die gesamte Übung evaluieren zu können, wurden außerdem Beobachter*innen und Evaluator*innen eingesetzt, welche die aktiven Teilnehmenden bei ihren Arbeitsschritten beobachten konnten. Zusätzlich wurden zum Zwecke der Evaluation Fragebögen erstellt und diese vor, während und nach der Übung von den Teilnehmenden, Beobachter*innen und Evaluator*innen ausgefüllt. Diese anonymisierten Fragebögen wurden für eine inter- und intraindividuelle Vergleichbarkeit der Übungen auch in der zweiten und dritten Stabsübung verwendet.

Stabsübung II

Die zweite Stabsübung wurde am 16.07.2021 durchgeführt und beschäftigte sich mit einem hochaktuellen Thema: ein COVID-19-Ausbruch auf dem fiktiven Kreuzfahrtschiff „MS ARMIHNA PRINCESS“ mit 121 Erkrankten bei insgesamt 1900 Passagieren. Bei dieser Übung lag der Fokus auf der medizinischen Sichtung der Erkrankten, dem Ablauf der Rettungskette sowie der Ordnung des Raumes am Cruise Gate Center Steinwerder. Hauptziel war es, die Prozesse und Handlungswege analysieren zu können. Für die Übung wurden Musterpatienten erstellt und diese während der Übung mit dem im Projekt entwickelten Sichtungsalgorithmus für einen Massenanfall von Erkrankten gesichtet. Der Algorithmus wurde als Software durch die Firma medDV GmbH auf Portable Enduser Devices (Tablets) implementiert und die Triage durch zwei Notfallsanitäter durchgeführt. Wie bereits bei der ersten Stabsübung beschrieben, fand ebenfalls zu mehreren Zeitpunkten im Übungsverlauf eine Evaluation durch Evaluator*innen statt.

Stabsübung III

Am 06.08.2021 fand die dritte Stabsübung des Projektes statt. Bei der Schadenslage handelte es sich um ein Expeditions-Kreuzfahrtschiff mit 50 Erkrankten bei 310 Passagieren an Bord. Die 50 Erkrankten hatten sich mit einem toxinbildenden Bakterium (enterohämorrhagische Escherichia coli, EHEC) infiziert. Darunter zeigten sich Fälle mit blutigem Durchfall und außerdem schwere Krankheitsverläufe durch die Entwicklung eines hämolytisch-urämischen-Syndroms (HUS) als Komplikation der EHEC-Infektion. Analog zu Stabsübung 1 lag das Augenmerk wieder auf den Kommunikationsprozessen.

Im Unterschied zur ersten Stabsübung wurde im Voraus ein Kommunikationsleitfaden zur Verbesserung und Erleichterung der Kommunikation erstellt und als Schulungsangebot über die online E-Learning Plattform Moodle für die aktiven Teilnehmenden bereitgestellt. So konnten alle Akteure das geschulte Wissen nach Möglichkeit direkt anwenden und somit auch eine Vergleichbarkeit von prä- zu postinterventionell (nach der Schulung) hergestellt werden. Eine Evaluation wurde, wie bei den vorherigen Stabsübungen beschrieben, durchgeführt.

Vollübung

Die geplante Vollübung wird nach derzeitigem Stand (Anfang September 2021) aufgrund der dynamischen Lage des Pandemiegeschehens als „Hybridübung“ am 14. und 15. Oktober 2021 durchgeführt werden. Dies bedeutet, dass ein größerer Teil wiederholt online stattfinden wird. Einige wichtige Teile der Übung, wie beispielsweise die Sichtung von Musterpatienten, sollen jedoch real im Terminal Steinwerder in einem limitierten Personenkreis (nach Corona-Richtlinien, 2G) beübt werden. Diese Übungsanteile sollen durch aufgestellte Kameras und Mikrofone den Online-Teilnehmenden als Live-Aufnahmen eingespielt werden können.

Stabsübung I-III

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