Die Übungsszenarien:

Einsatzszenario I – Maximales Missverhältnis zwischen Patientenaufkommen und Einsatzkräften

Das erste Einsatzszenario beschreibt einen Krankheitsausbruch an Bord eines Kreuzfahrtschiffes mit sehr hohem Patientenaufkommen, aufgrund dessen es zu einem maximalen Missverhältnis zwischen Patientenzahl und Einsatzkräften kommt. Hierbei handelt es sich um einen Massenanfall von Erkrankten (MANE), welcher als schwer kontrollierbares Ereignis die Rettungskette überfordert.
In diesem Szenario ist weniger die Ernsthaftigkeit jeder einzelnen Erkrankung von Bedeutung, sondern die Unübersichtlichkeit und die Quantität der Erkrankten, mit der die verfügbaren Kräfte umzugehen haben.

Einsatzszenario II – Häufig dokumentiertes Ereignis mit vielen behandlungsbedürftigen Patienten                      

Das zweite Einsatzszenario bildet ein hochdynamisches infektionsbedingtes Ausbruchgeschehen an Bord eines Kreuzfahrtschiffes ab, welches anhand der Auswertung der wissenschaftlichen Vorarbeiten am häufigsten identifiziert werden konnte. Auch hinsichtlich einer notwendigen Behandlung im Krankenhaus und der dokumentierten Todesfälle wurde diese Infektionserkrankung wiederkehrend gefunden und genannt. Besonders hervorzuheben ist außerdem die hohe Kontagiösität dieser Erkrankungsform.

Einsatzszenario III – Höchste Anforderungsstufe an die Hygiene      

Das dritte Einsatzszenario ist durch eine Infektionserkrankung an Bord eines Frachtschiffes charakterisiert, welche unbehandelt innerhalb kurzer Zeit zu fulminanten und schweren Verläufen bei den Erkrankten führt. Aus diesem Grund ist ein schnelles Handeln seitens der Einsatzkräfte von großer Bedeutung. Es bestehen in diesem Szenario die höchsten Anforderungen an das Gefahrenabwehrmanagement hinsichtlich des Risikos für eine Übertragung des Erregers auf die weitere Schiffsbesatzung, Hafenbedienstete, ausrückende Einsatzkräfte und die Allgemeinbevölkerung.

Eine Aufgabe des Projektes wird es sein, die Schadensszenarien, welche infektiologische Notlagen abbilden, mit zahlreichen betroffenen Akteuren zu analysieren und mögliche Auswirkungen auf die Bevölkerung abzuschätzen. Auf Basis dessen werden geeignete adaptive Notfallkonzepte mit einem dazugehörigen Trainingskonzept entwickelt, welche im Rahmen von drei Stabsübungen auf Umsetzbarkeit und Kohärenz überprüft werden. Das Trainings- und Notfallkonzept wird abschließend in einer Hybridübung bezüglich der Praxistauglichkeit evaluiert werden. Zwar wird das Einsatzkonzept die spezifischen Rahmenbedingungen im Hamburger Hafen mit unterschiedlichsten Akteuren widerspiegeln, jedoch soll das Gesamtprojekt auch im Allgemeinen zum Katastrophenschutz beim Massenanfall von Erkrankten in Häfen insgesamt beitragen. Eine Verwertung der Projektergebnisse über den Hamburger Hafen hinaus ist damit ein weiteres Ziel.

Die Ergebnisse des Projektes werden:

  • ein Trainingsinstrument für die verschiedenen Akteure im Hafen bieten,
  • Wissen und Hilfsmittel – auch in digitaler Form – u.a. durch verbesserte Informationsweitergabe für einen effektiveren Einsatz zur Verfügung stellen,
  • zu einer schnelleren, besseren und individualisierten Versorgung von Betroffenen bei einem Massenanfall von Patienten im Hafen beitragen,
  • zum Schutz der Bevölkerung im Hafengebiet beitragen (z.B. bei Ausbruch von Infektionskrankheiten oder bei Austritt von Gefahrstoffen),
  • Hafenmitarbeiter und beteiligte Akteure wie Behörden und Organisationen – z.B. den Rettungsdienst – unterstützen sowie deren Sicherheit während des Einsatzes gewährleisten,
  • die länderübergreifende Kommunikation bei infektiologischen Großschadenslagen optimieren,
  • als Grundlage für die Beratung anderer Häfen im Rahmen von infektiologischen Großschadenslagen dienen.